Reformation auf die andere Art: Bremen

„Der alte Smidt“ und sein altes Bremen standen im Mittelpunkt eines Festvortrages, zu dem Bürgerschaftspräsident Christian Weber aus Amsterdam Prof. Fred van Lieburg im Festsaal in der Bremischen Bürgerschaft begrüßen konnte. An der Familiengeschichte des großen Bürgermeisters Johann Smidt zeichnete van Lieburg auf, dass sich Bremen nicht einfach mit der Lutherschen Reformation zufrieden gab, sondern weitermachte und zu einem neuen Verständnis des gesamten Gemeinwesens beitrug.

Präsident Weber bei seinem Grußwort

Bürgerschaftspräsident Weber überließ den Blick in das frühe Bremen und den mitteleuropäischen Westen Prof. van Lieburg und Prof. Hans Kloft, der als stellvertretender Präsident der Wittheit die Gäste begrüßte. Ganz im heute nahm Christian Weber Martin Luther, um konkret und aktuell zu werden: „Luther sagte damals, als er die Bibel ins Deutsche übersetzte: Man muss dem Volk aufs Maul schauen und zuhören, was das gemeine Volk sagt. Dieser Rat scheint mir heute gerade auch für uns Politiker aktuell wie nie zu sein. Er bedeutet für mich: auf die Menschen achten und auf sie zugehen, mit ihnen, nicht nur über sie reden, sie in ihren Alltagszusammenhängen abholen. Luther formulierte in seinem berühmten Feste-Burg-Choral „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.“ Wir leben in einer Welt, die es uns immer schwerer macht, unsere Werte zu bewahren oder sie überhaupt wieder zu finden; wir leben in einer Welt, die Angst macht – konkrete und diffuse Angst. Wir Politiker müssen uns nachhaltiger um Menschen kümmern, über die Breite der Gesellschaft, nicht nur um die eigene Klientel oder noch weniger, wie Amerika gezeigt hat: um die Macht des Kapitals.  Es geht darum, suchenden und besorgten Menschen mit Empathie, Wärme und Wahrhaftigkeit zu begegnen. Es geht um Vertrauen.
Die Reformation hat nicht nur die Kirchen, sondern die ganze Gesellschaft verändert. Und diese steht heute wieder unmittelbar vor Herausforderungen, die von Religionsseite an sie gestellt werden. Das ist islamistisch motivierte Gewalt und Terror, gewiss. Ich nenne auch rechte, rechtpopulistische Gruppierungen in Deutschland und Europa, die laut vorgeben, das christliche Abendland zu verteidigen. Diesen Gruppen oder sogar Parteien muss auch von Seiten der Kirchen deutlich widersprochen werden. Denn ein christliches Abendland ist geprägt von Barmherzigkeit, Nächstenlieben und Toleranz gegenüber Fremden – und ich meine hier besonders die Flüchtlinge,“ betonte Bürgerschaftspräsident Christian Weber abschließend.