Fluchtgeschichten und Grenzerfahrungen im Haus der Bürgerschaft

„Borderline – meine allerwichtigste Fotografie“, eine Fotoausstellung von Stefan Bremer und Ahmed Alalousi aus Finnland, ist bis zum 3. Mai in der Bremischen Bürgerschaft zu sehen. Für viele Flüchtlinge, die nach Finnland oder auch nach Deutschland kommen, besteht die einzige Verbindung zur Vergangenheit aus im Mobiltelefon gespeicherten Fotos von geliebten Menschen und der ehemaligen Heimat. Diesem Thema widmet sich die Ausstellung.

Horizonte und Meere, die unberechenbaren Fluchtwege von Flüchtlingen, sind in der Ausstellung von Bremer und Alalousi (Bildmitte) ebenfalls zu sehen.

Außerdem sind Fotos von Überresten der sogenannten Salpa-Linie aus Festungen und Bunkeranlagen an der Ostgrenze Finnlands zu sehen. Sie erinnern an vergangene Kriege und an die  Schicksale der betroffenen Menschen. An dieser wohl besten Verteidigungslinie des 2. Weltkrieges wurde allerdings nie gekämpft und die Sicherheit des Landes zu keinem Zeitpunkt auf die Probe gestellt. Gleichwohl konnte das damalige Finnland 400.000 Flüchtlinge aus dem russischen Teil Kareliens aufnehmen.

Also fragt Stefan Bremer, einer der bekanntesten Fotografen seines Landes, ob das gegenwärtige Finnland den Kriegsflüchtlingen heute nicht eine ähnliche Gastfreundlichkeit entgegenbringen sollte und müsste. Denn Gastlichkeit und Offenheit den Fremden gegenüber haben in Finnland Tradition. 

Die Arbeiten von Ahmed Alalousi zeigen seine frühere irakische Heimat Mossul in derart friedlichem Licht, dass man sich die spätere Zerstörung der Stadt durch den IS allenfalls als bösen Traum vorstellen mag. Mossul, wo der IS im Juni 2014 sein sogenanntes Kalifat ausrief, galt bis vor kurzem als Hauptstadt der Dschihadisten im Irak. Nun scheint ein Ende in Sicht zu sein: Der Osten der Stadt ist schon befreit, der Westen fast. Die stark dezimierten IS-Kämpfer liefern der irakischen Armee immer noch schwere Gefechte, aber in aussichtsloser Lage. Was bleibt? Zerstörung, Vernichtung von Menschleben und Kultur, Vertreibung. Auch dieses traurige Danach bildet einen Teil der Ausstellung. Unterdessen ist der IS anderswo im Irak wohl längst wieder eine Gefahr geworden.