Johano Strasser: Günter Grass ein streitbarer Citoyen

„Ich empfinde es als eine große Ehre, dass Ute Grass heute Gast in der Bremischen Bürgerschaft ist; wir verstehen ihren Besuch als eine besondere Wertschätzung für unser Ausstellungsprojekt.“ Das betonte Bürgerschaftspräsident Christian Weber zur Eröffnung von "Günter Grass - grafisch, poetisch, politisch". Die große Ausstellung ist bis 10. November 2017 in den Räumen der Bürgerschaft zu sehen. Anlass ist der Geburtstag des großen Schriftstellers und engagierten Bürgers, der sich am 16. Oktober zum 90. Mal jährt.

Christian Weber begleitete Ute Grass durch die Ausstellung, mit dabei das Ehepaar Kogel

Der Publizist Johano Strasser, ein Freund und Mitstreiter von Grass, hielt am 28. September im vollbesetzten Festsaal die Rede "Günter Grass, ein deutscher Sisyphos". Grass sei immer ein streitbarer Citoyen geblieben. Strasser ging unter anderem auf seinen Treuhand-Roman "Ein weites Feld" ein: "Einige Großkritiker gerieten vollends aus der Fassung. Die ironische Grundkonzeption des Buches wurde übersehen, Aussagen, die der Autor seinen Figuren in den Mund legt, wurden ohne Umschweife diesem selbst zugerechnet. Grass ein Gegner der deutschen Einheit, gar ein heimlicher Sympathisant der untergegangenen DDR - die abenteuerlichsten Unterstellungen wucherten in den Feuilletons. Man vergaß oder machte absichtlich vergessen, dass Grass im Gegensatz zu manchem Autor, der sich neuerdings zeitgeistig gewendet nationalkonservativ gab, sich nie mit der deutschen Teilung abgefunden hatte, dass er mehr für die verfolgten Schriftsteller des Ostblocks getan hat, als die meisten, die nach der Wende von 1989 urplötzlich ihr Herz für die Dissidenten entdeckten." 

Die Ausstellung ist ein bunter Querschnitt durch den schier unerschöpflichen Schaffensfundus des Nobelpreisträgers von 1999. Einen Schwerpunkt bildet der politisch denkende und handelnde Günter Grass - sei es als Wahlkämpfer 1965 und 1969, als streitbarer Teil der literarisch-politischen Gruppe 47 oder als Mitherausgeber von L'76, einer Zeitschrift für Demokratie und Sozialismus. Weiter zu sehen: Aquarelle zu seinem Roman „Ein weites Feld“, Radierungen zu „Hundejahre“, dem letzten Werk seiner Danziger Trilogie, Allerlei aus „Fundsachen für Nichtleser" sowie Lithographien zum Gedichtband „Dummer August“. Video- und Tonaufnahmen ergänzen die Ausstellung. Zu hören und zu sehen sind Lesungen, Werkstattberichte, Gespräche und Begegnungen aus fünf Jahrzehnten.

Eine Besonderheit ist die eigens für die Ausstellung entwickelte App. Darüber lassen sich zusätzliche Informationen und Eindrücke - auch dreidimensional - herunterladen; eine virtuelle Ausstellung innerhalb der Ausstellung, hergestellt vom Institut für multimediale und interaktive Systeme der Universität zu Lübeck.

Die Ausstellung ist geöffnet von montags bis freitags, 10 bis 17 Uhr. Geschlossen bleibt sie am 3. und 31. Oktober sowie am 8. und 9. November.

Wir empfehlen Ihnen bei Interesse, bereits vor dem Besuch der Ausstellung die App unter der folgenden Adresse herunterzuladen: https://nemo.network/qr/br01/

 

 

 


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