Donnerstag, 07. Mai 2026

Grotheer: „Der heutige Tag ist eine Erinnerung und eine Mahnung an unsere Verantwortung."

Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer, Senatorin Kristina Vogt, Senatorin Claudia Bernhard und Senatorin Claudia Schilling haben heute der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht und an die Befreiung vom Nationalsozialismus vor 81 Jahren erinnert. An der Gedenkstunde nahmen außerdem Maurizio Tomasi, der Sohn eines italienischen Militärinternierten, der beim Bau des Bunker Valentin Zwangsarbeit leisten musste, sowie die Generalkonsulin der Republik Polen in Hamburg, Aleksandra Krystek-Biernacka, teil. 

Die Generalkonsulin der Republik Polen in Hamburg, Aleksandra Krystek-Biernacka, Senatorin Kristina Vogt, Maurizio Tomasi und Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer bei der Kranzniederlegung beim Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“

"Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Es ist der Tag, an dem die Herrschaft der Nationalsozialisten endete, die unermessliches Leid über Europa gebracht hat“, sagte Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer am Mahnmal am Denkort Bunker Valentin. „Deutschland hat in dieser Zeit eine unermessliche Schuld auf sich geladen. Es ist unsere Pflicht, immer wieder daran zu erinnern – nicht nur aber in besonderer Weise an einem Tag wie heute. Es ist unsere Pflicht, all jenen zu widersprechen, die im heutigen Tag etwas anderes sehen als einen Tag der Befreiung. Es ist unsere Pflicht und unsere historische Verantwortung, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht.“

„Dass wir unsere Gäste heute hier begrüßen können, zeigt, dass heute nicht nur ein Tag der Erinnerung und ein Tag der Verantwortung ist, sondern dass wir den heutigen Tag auch als einen Tag des Dankes begreifen können. Dank dafür, dass wir vom Nationalsozialismus befreit wurden. Und Dank vor allem für das, was in der Folgezeit geschah. Dafür, dass wir in einem vereinten Europa leben dürfen“, sagte Grotheer und betonte mit Verweis auf das 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft Bremens mit Danzig in diesem Jahr, dass insbesondere die Verbindung zwischen Bremen und Polen eine enge sei. „Dafür sind wir dankbar. Und dafür müssen wir dankbar sein. Umso mehr, da auf der Westerplatte bei Danzig mit dem Überfall durch Nazi-Deutschland der Zweite Weltkrieg begann. Ich durfte dort bei der Gedenkveranstaltung zu Gast sein. Es ist ein bedrückendes und beeindruckendes Erlebnis. Ein Erlebnis, dass einem die Verantwortung, die wir Deutschen aufgrund unserer Historie tragen, noch einmal deutlich vor Augen führt. Und ein Erlebnis, dass noch einmal dankbarer macht dafür, dass wir den Weg der Versöhnung gehen konnten – und gehen durften.“

Abschließend mahnte die Bürgerschaftspräsidentin: „Der heutige Tag ist eine Erinnerung und eine Mahnung an unsere Verantwortung. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Ereignisse wiederholen, die heute vor 81 Jahren ihr Ende fanden. Wir dürfen nicht zulassen, dass diejenigen an die Macht kommen, die Menschen in Kategorien einteilen, die Unterschiede machen. Menschen, die nicht zu unserer Demokratie stehen, die Freiheit und gleiche Rechte für alle Menschen garantiert. Wir dürfen ebenfalls nicht zulassen, dass Antisemitismus, egal aus welcher Richtung, egal in welcher Ausprägung – ob als nebenbei eingestreute Bemerkung oder offen artikuliert, ob in Worten oder Taten – salonfähig wird. Das ist die Pflicht, die sich aus unserer Geschichte ergibt. Es ist unsere Aufgabe an jedem Tag. Und der heutige Tag ruft uns dies besonders in Erinnerung.“

„Der Bunker Valentin steht wie kaum ein anderer Ort für die systematische Entwertung von Menschenleben durch das NS-Regime. Tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus ganz Europa mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, viele von ihnen haben das nicht überlebt. Was hier geschehen ist, war das Ergebnis von Ideologie, Gewalt und dem Versagen einer Gesellschaft, die wegsah oder mitmachte. Daraus erwächst für uns eine klare Verpflichtung, die Würde jedes Menschen zu schützen und unsere demokratischen Grundwerte entschlossen zu verteidigen, gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit. Erinnerung allein genügt nicht. Sie muss uns im Hier und Heute zum Handeln bewegen“, sagte Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation.

Für die Bremische Bürgerschaft und den Senat legten Grotheer und Vogt gemeinsam mit Maurizio Tomasi und Aleksandra Krystek-Biernacka Kränze beim Mahnmal "Vernichtung durch Arbeit" nieder. Es erinnert seit 1983 an das Schicksal von tausenden Zwangsarbeiter:innen. In Gedenken an die Opfer hielten sie gemeinsam mit den Gästen für eine Schweigeminute inne.