Trauergottesdienst und Staatsakt für Christian Weber

Bis fast auf den letzten Platz war der Dom besetzt. Der Sarg stand noch bis 14.00 Uhr im Dom aufgebahrt, damit sich die Bremerinnen und Bremer von ihrem Präsidenten verabschieden konnten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Bürgerschaftskanzlei und Mitglieder aus dem Vorstand hatten am Sarg die Totenwache übernommen.

Bürgermeister Dr. Carsten Sieling erinnerte in seiner Ansprache im Dom an Christian Weber: „Die Berufung zum Bürgerschaftspräsidenten 1999 wurde seine wahre Berufung. Er kämpfte aus Überzeugung um die Stellung der Bürgerschaft als ranghöchstem Organ in Demokratie und Parlamentarismus."

Auch Vizepräsident Frank Imhoff würdigte Weber in seiner Rede als „Mahner, der uns immer wieder aufgerufen hat, die Demokratie zu verteidigen und sie nicht aus unserem wachsamen Blick zu verlieren“. Weber sei ein Präsident aller Bremerinnen und Bremer gewesen. Die Zeit ohne ihn in der Bürgerschaft und ohne seine Stimme werde eine Zäsur.

Pastor Peter Ulrich, der viel mit Christian Weber zusammen gearbeitet hat, betonte in seiner Predigt: „Christian Weber fehlt uns. Er fehlt seiner Familie, er fehlt seinen Freunden, er fehlt uns Bremerinnen und Bremern, er fehlt in Haifa, Danzig und Murat, er fehlt an allen Ecken und Enden. Unser Herz ist voll Trauer.“

Christian Weber hat die Städtepartnerschaften insbesondere mit Danzig und Haifa mit Leben gefüllt. Das betonte Dr. Robert Karpel aus Haifa: „Christian Weber war der Einzige aus all unseren Partnerstädten, der, während Haifa 2006 unter massivem Beschuss stand, allein in seiner Partnerstadt erschien, um das Leiden der Bürger vor Ort mit zu empfinden und seiner Solidarität mit Haifa Ausdruck zu geben. Er stieg in die öffentlichen Luftschutzkeller hinab, um mit den verängstigten Menschen zu sprechen, wollte ihre Gefühle und Ängste mitempfinden.“ Bis heute seien die Verbindungen dank Weber zwischen beiden Städten besonders eng.

Im Kreis der Landtagspräsidenten war Christian Weber der Dienstälteste. Kollegin Carola Veit aus Hamburg erinnerte in ihrer Rede an den Doyen der Landtagspräsidenten. Trotz aller Frotzeleien zwischen Hamburg und Bremen habe Christian Weber immer Gemeinsames betont: „Das Gemeinsame ist längst stärker als das Trennende – gerade in der Politik und im Parlamentarismus.“  Die Bremische und die Hamburgische Bürgerschaft hatten nach dem Krieg am gleichen Tag ihre konstituierenden Sitzungen. Das verbindet beide bis heute: „Beide Volksvertretungen verbindet eine traditionell sehr bürgernahe und gleichzeitig weltoffene Politik. Wir als norddeutsche Hafenstädte – und Stadtstaaten – ziehen schon lange in vielen Fragen an einem Strang, und Christian Weber war einer, der daran viele Jahre lang mitgewirkt hat.“

Fotos vom Trauergottesdienst und Staatsakt im St. Petri Dom

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sülmez Dogan, Vizepräsidentin der Bürgerschaft, erinnerte im Haus der Bürgerschaft an „unseren Präsidenten“: „Für Christian Weber kam erst das Land, dann die parteipolitischen Fragen.“ Das habe auch nachhaltigen Eindruck bei den Bremerinnen und Bremern gemacht. „Er war authentisch und offen, er hörte zu, er nahm sich der Sorgen und Probleme in den Stadtteilen und Vereinen an. Er war der erste Bürger“.

Als langjähriger Freund erinnerte auch Senator a.D. Ronald-Mike Neumeyer bei den Feierlichkeiten im Haus der Bürgerschaft an Christian Weber. Beide wurden vor 25 Jahren zu Zeiten der großen Koalition Fraktions-Chefs: „Gemeinsam wollten wir alles anders, vieles besser machen als unsere Vorgänger. Wir wollten aufräumen und frischen Wind in das Parlament bringen. Streiten, nur um des Streitens und nicht um der Sache willen war nicht unsere Passion. Vielmehr ging es uns zunächst einmal um die Sache. Getreu dem Motto: Erst Bremen und dann die Parteien.“

Fotos von der Trauerfeier im Haus der Bürgerschaft

 
 
 
 
 
 
 
 

Fotos: Kerstin Rolfes / Bremische Bürgerschaft