Ehemalige Präsidentinnen und Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft

17.4. - 30.10.1946: Wilhelm Kaisen (SPD)

Der 1887 in Hamburg geborene Politiker prägte den Wiederaufbau Bremens wie kein anderer. Er setzte sich außerdem für die Bewahrung der Selbständigkeit Bremens ein. In der Übergangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wilhelm Kaisen von den amerikanischen Streitkräften zum Präsidenten des Senats sowie vorübergehend zum Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft berufen. Er wurde noch im gleichen Jahr vom ersten demokratisch gewählten Präsidenten August Hagedorn abgelöst. Wilhelm Kaisen blieb als Präsident des Senats und Bürgermeister Bremens bis 1965 im Amt.

30.10.1946 - 4.11.1966: August Hagedorn (SPD)

Über zwei Jahrzehnte hinweg profilierte August Hagedorn die Bremische Bürgerschaft als Legislative. Er prägte die parlamentarische Diskussionskultur durch seine Persönlichkeit und scheute keine Kontroverse mit dem Bremer Senat, vor allem mit Bürgermeister Wilhelm Kaisen. Der „gute und gerechte Vater der Bürgerschaft“, wie er in der Presse genannt wurde, setzte gegen zahlreiche Widerstände den Bau eines modernen Parlamentsgebäudes durch. Seit Ende des Krieges hatte die Bürgerschaft im Rathaus getagt, 1966 wurde dann das von Wassili Luckhardt entworfene Haus der Bürgerschaft eingeweiht.  Hagedorn starb 1969, drei Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament. Sein Grab befindet sich auf dem Riensberger Friedhof.

9.11.1966 - 31.12.1970: Hermann Engel (SPD)

Hermann Engel war nach August Hagedorn der zweite gewählte Präsident der Bremischen Bürgerschaft. Seit 1946 Parlamentsmitglied, war er vor seiner Wahl zum Präsidenten unter anderem stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. Hermann Engel war für eine Legislaturperiode im Amt, bevor er 1970 aus Altersgründen in den Ruhestand ging. Er starb vier Jahre später in Bremen.

20.1.1971 - 7.6.1995: Dr. Dieter Klink (SPD)

Dr. Dieter Klink wurde 1959 in die Bremische Bürgerschaft gewählt,. Von 1967 bis 1970 wirkte er dort als Vizepräsident, bis er 1971 die Nachfolge von Hermann Engel im Amt des Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft antrat. In der Führung seiner Amtsgeschäfte erwarb er sich weit über Bremen hinaus und über Parteigrenzen hinweg einen hervorragenden Ruf. In Bremen machte er auch wegen seiner Bürgernähe und seines sozialen Engagements u.a. in der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe von sich reden. Klink schied mit dem Ende der 13. Legislaturperiode aus der Bürgerschaft aus. Er  starb knapp 10 Jahre später im Alter von 73 Jahren. Zu seinen Ehren wurde 2005 der Dieter-Klink-Platz neben dem Haus der Bürgerschaft eingeweiht.

4.7.1995 - 7.6.1999: Reinhard Metz (CDU)

Reinhard Metz wurde 1971 erstmals in die Bremische Bürgerschaft gewählt. 1976 konnte er ein Bundestagsmandat erringen, kehrte aber 1987 nach Bremen zurück und wurde dort Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Nach der Bürgerschaftswahl 1995 stellte die SPD in der großen Koalition den Regierungschef, die nahezu stimmgleiche CDU bekam den Posten des Parlamentspräsidenten zugesprochen. So wurde Metz der erste Bürgerschaftspräsident, der nicht aus den Reihen der Sozialdemokraten kam. Nach der Wahl 1999 wechselte Metz als Staatsrat ins Finanzressort, bevor er sich 2003 aus der aktiven Politik zurückzog. Reinhard Metz starb 2009 im Alter von 72 Jahren.

Foto von Christian Weber
Bild: Tristan Vankann

7.7.1999 - 12.2.2019: Christian Weber (SPD)

Christian Weber, seit 1990 Abgeordneter, folgte Reinhard Metz nach der Bürgerschaftswahl 1999 im Amt des Parlamentspräsidenten nach. Zuvor hatte er von 1995-99 als Vorsitzender die SPD-Fraktion geführt. In seiner neuen Rolle wurde Weber zu einem leidenschaftlichen Fürsprecher für Demokratie und Parlamentarismus. So setzte er u.a. eine ständige Besetzung der Senatsbank während der Plenardebatten durch. Außerhalb des Parlamentsbetrieb engagierte sich Weber in Bremen insbesondere für die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe und und außerhalb der Landesgrenzen für die internationale Aussöhnung. Er pflegte einen besonders regen Austausch mit Bremens Partnerstädten Danzig in Polen und Haifa in Israel, die er in seiner Amtszeit mehrfach besuchte. Er war der Erste, der einen Kontakt zum französischen Dorf Murat aufbaute und sich öffentlich für die Deportation der Einwohner als Zwangsarbeiter nach Bremen entschuldigte. Weber war selbst ein Flüchtlingskind und sah es stets als wichtige Aufgabe, die Erinnerungskultur an die junge Generation weiterzugeben. Christian Weber wurde 2003, 2007, 2011 und 2015 erneut zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt. Er starb im Frühjahr 2019 nach langer Krankheit. Zu diesem Zeitpunkt war er der mit Abstand dienstälteste aller deutschen Landtagspräsidenten.

Portrait von Antje Grotheer; Foto von Tristan Vankann
Bild: Tristan Vankann

27.3.2019 - 07.06.2019: Antje Grotheer (SPD)

Antje Grotheer wurde im März 2019 nach dem Tod von Christian Weber zur neuen Bürgerschaftspräsidentin gewählt. Sie war damit nach fünf Männern die erste Frau, die dieses Amt innehatte. Zuvor war sie seit 2015 stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion gewesen. Von 2012 bis 2015 hatte sie zudem als Schriftführerin dem Vorstand der Bürgerschaft angehört. In den wenigen Monaten bis zur Bürgerschaftswahl warb Grotheer intensiv für eine höhere Wahlbeteiligung. Nach der Bürgerschaftswahl 2019 wurde sie zur Vizepräsidentin des neu konstituierten Parlaments gewählt. Antje Grotheer ist seit 2011 Mitglied der Bürgerschaft.